Publikations-Projekt


in Kooperation mit dem Salomon Ludwig Steinheim Institut
http://steinheim-institut.de/wiki/index.php/Hauptseite 
 

Jüdisches Leben im Mittelalter

Ein Online-Handbuch zum Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen 

Projektphasen I - III: 2007 - 2014; Projektphase IV: 2018/2019

Update 2021

Zielgruppen
Multiplikator: innen in Schule, Hochschule und kultureller Bildungsarbeit

 

Anliegen des Publikations-Projekts

"Nicht mit Moses Mendelssohn, sondern mit Süßkind von Trimberg betreten wir jenen widerspruchsvoll-schmerzhaften, aber auch farbenprächtigen deutsch-jüdischen Weg. In der Kultur und Gesellschaft fanden sich Juden und Nichtjuden, lange bevor sie sich in einer gemeinsamen Sprache fanden, verloren und wiederfinden mussten.(...)" 

[Frank Stern: Dann bin ich um den Schlaf gebracht. Ein Jahrtausend jüdisch-deutsche Kulturgeschichte, Berlin 2002. S. 53] 

Dieser (immer noch) aktuellen Forschungsposition F. Sterns standen in den letzten zwei Jahrzehnten folgende bildungspolitische Tendenzen entgegen:

Zum einen der Trend, die so reiche Epoche des Mittelalters angesichts der G8-Bildungspläne im konkreten Lernalltag des Geschichts- und Kunstunterrichtes oftmals an den Rand zu drängen, was auf zahlreichen Mediävisten-Tagungen immer wieder kritisch vermerkt wurde.

Zum anderen war in den letzten zwanzig Jahren speziell für die deutsch-jüdische Geschichte (immer wieder) eine Reduzierung auf die Thematik der Verfolgung und des Holocaust festzustellen - und dies entgegen aller Empfehlungen der Schulbuchforschung, der Judaistik, der Vorurteilsforschung sowie der Geschichtsdidaktik. Hier sei etwa auf die bereits 2008 veröffentlichten Stellungnahmen des Georg-Eckert-Instituts oder auf den 2017 vom Bundesministerium des Innern veröffentlichten „Antisemitismus-Bericht" verwiesen, in welchem nach intensiver Evaluation von einem unabhängigen und interdisziplinären Expertenkreis nachdrücklich und erneut die Empfehlung ausgesprochen wurde, „der tiefen Verwurzelung von klischeehaften Judenbildern und antisemitischen Einstellungen in der deutschen Kultur und Gesellschaft [mit] langfristig und nachhaltigen Maßnahmen“ entgegenzuwirken und das „(…) in Wissenschaft, Pädagogik und zivilgesellschaftlichen Initiativen vorhandene Potenzial systematisch“ zu nutzen [Zit. n. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (Hg.), „Antisemitismus-Bericht“ (PDF-Version), 2017, S. 182f.] 

Erfreulicherweise setzt das umfangreiche Programm zum Festjahr #2021JLID einen vielfältigen und farbenreichen Gegenakzent, indem es ganz bewusst die Perspektive auf 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland lenkt [Home - JLID2021 (2021jlid.de)]

Welche hartnäckigen und gefährlichen Kontinuitäten es im Hinblick auf diverse antisemitische Stereotypen ganz aktuell jedoch gibt, zeigte/zeigt sich unlängst in pandemiebegleitenden „Verschwörungserzählungen“ [vgl.: Lamberty, P., Verschwörungserzählungen. Themenheft "InfoAktuell - Information zur politischen Bildung" (Hf. 35/2020), hrsg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung]

Von März bis Juni 2021 wurde daher von der KMK/Kultusministerkonferenz, der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten sowie dem Zentralrat der Juden in Deutschland eine "Gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule" erarbeitet und veröffentlicht. Hierbei spielen u.a. regelmäßige Multiplikator: innen - Schulungen für Schule und Hochschule eine zentrale Rolle [LINK: www.kmk-zentralratderjuden.de]

Das "Work - in - Progress"- Online-Handbuch (derzeit: 230 Seiten) und die damit verbundenen bisherigen und zukünftigen Lehrer- und Multiplikator: innen - Fortbildungen möchte hierzu einen Beitrag leisten !

Angesichts der aktuellen gesellschaftspolitischen Frage, wie eine "offene Gesellschaft" im Kontext von Globalisierung, Migration und virulentem Rechtspopulismus gelingen könnte, sind die hier aufgefächerten regionalgeschichtliche Beispiele rund um das jüdische Leben im Mittelalter im Spannungsfeld zwischen Migration und Integration aktueller denn je !

 

Zur Konzeption des „Online-Handbuch“ 

Konzeptionelles Hauptanliegen des Online-Formats war und ist es, über ein „Baukasten-Prinzip“ die online abrufbaren 10 Infotafeln  (mit jeweiligen Hintergrundinformationen"/"Didaktischen Anmerkungen" /"Quellenmaterial" ) auf den Start-Seiten des Online-Handbuchs in 4 übergeordnete Themenfelder zu gruppieren  - als Orientierungshilfe für die "User" :

LINK zur Online-Ressource (derzeitig: 230 Seiten):: http://www.steinheim-institut.org/juden_im_mittelalter.pdf

Hiermit wird es dem "User" ermöglicht, in der Fülle der angebotenen Online-Hintergrundinformationen und Online-Quellenmaterialien schnell, situativ   und vom Homeoffice aus verschiedene inhaltliche Zugänge zu wählen und/oder Schwerpunkte zu setzen. Querverweise/Links erlauben es zudem, problemlos zwischen den Themenfeldern zu springen und somit eine stichwortartige und flexible Informations- und Materialsuche zu ermöglichen. Speziell die "Didaktischen Anmerkungen" sensibilisieren für Kontinuitäten und Zäsuren antisemitischer Stereotype und Vorurteile vom Mittelalter bis ins 20 Jahrhundert. 

 

Weitere Aspekte der Online-Lehrmaterialien : 

Aspekt: Einbeziehung innerjüdischer Perspektiven

Die gewählte Medienform als „Online-Handbuch“ ermöglicht es darüber hinaus, neben der Einbeziehung didaktische bewährter Quellen und Materialien zusätzliche Texte und Quellen als "Online-Ressource" zur Verfügung zu stellen, welche stärker als in herkömmlichen Schulbüchern und/oder didaktischen Materialien eine (inner-)jüdischen Perspektive berücksichtigen. Teilweise wurden/werden hierfür Materialien aus dem Institutsbestand und den institutseigenen Forschungen genutzt (LINK: http://steinheim-institut.de/wiki/index.php/Archive:Gidal-Bildarchiv/LINK Spurensuche - Jüdische Friedhöfe in Deutschland (steinheim-institut.org), teilweise konnten ausgewiesene Gastautoren aus dem Felde jüdischer und kulturwissenschaftlicher Studien gewonnen werden. Weitere Gastautor: innen werden derzeit angefragt.

Aspekt: Konstruktiven Phasen im christlich-jüdischen Zusammenleben des Mittelalters 

Neben den Phasen der Verfolgung werden auch die konstruktive Phasen im christlich-jüdischen Zusammenleben sowohl in den SCHUM-Gemeinden als auch in der Region Erfurt/Thüringen beleuchtet, um stärker die - neben Ausgrenzung und Verfolgung - existenten interkulturellen Interaktions-Räume wie auch die wechselseitigen Beeinflussungen im vor- und frühmodernden Europa sichtbarer zu machen. 

Inhaltlich und visuell werden daher einerseits jüdische und christliche Perspektiven sowie gegenseitige Bildern und Normen als Mittel gegenseitiger Abgrenzung einander gegenübergestellt, andererseits aber auch die vielfältigen realen Begegnungen und Facetten gelebten Kulturaustauschs als Beispiele interkulturellen Dialogs danebengestellt.  

 

Bisherige Lehrer-Fortbildungen (im Teamteaching)

„Jüdisches Leben im Mittelalter im Rheinland“ (mit Exkursion nach Köln/Spurensuche auf dem Deutzer Friedhof/Besuch der Judaica-Sammlung des Kölnischen Stadtmuseum /Synagoge Roonstraße) 20./21.09.2009

„Jüdisches Leben im Mittelalter“ (mit Besuch des Jüdischen Museum Westphalen in Dorsten/Spurensuche auf dem jüdischen Friedhof im Naturpark Hasselecke/Synagoge am Duisburger Innenhafen) 05/06.03.2010

„Jüdisches Leben im Mittelalter – Blick auf zwei regionale Zentren“ (mit Exkursion nach Erfurt/Begrüßung in der Kleinen Synagoge/Besuch der Alten Synagoge Erfurt/Spurensuche auf dem Neuen jüdischen Friedhof) 05.03.2011

Veranstalter: Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (InKuR)/ Universität Duisburg-Essen (UDE); 

Kooperationspartner/Förderer: Niederrhein Akademie/Academie Nederrijn e.V., Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut, Alte Synagoge Erfurt/Leo-Baeck-Programm (Förderung 2011)

In Planung für Projektphase V (2022/2023)

„Jüdisches Leben im Mittelalter – Blick auf zwei regionale Zentren und zwei Weltkulturerbe-Stätten “/Teil 1 (mit Besuch der Alten Synagoge Erfurt/Spurensuche auf dem Neuen jüdischen Friedhof/Comic-Concert "Israel und sein Comics" mit Itay Dvori/https://www.itaydvori.com/ (Datum wird noch mitgeteilt)

„Jüdisches Leben im Mittelalter – Blick auf zwei regionale Zentren und zwei Weltkulturerbe-Stätten “/Teil 2 (mit Besuch des Jüdischen Museum im Raschi-Haus Worms, Spurensuche auf dem Heiligen Sand (Alter jüdischer Friedhof)/Comic-Concert "Israel und sein Comics" mit Itay Dvori/https://www.itaydvori.com/ (Datum wird noch mitgeteilt)

 

Bisherige Projektphasen und Förderer:

Das im April 2007 gestartet Drittmittelprojekt am Salomon Ludwig Steinheim-Institut wurde dankenswerterweise mehrfach gefördert:

Projektphase I (2007-2009) durch das Leo-Baeck-Programm „Jüdisches Leben in Deutschland: Schule und Fortbildung" (Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts e.V./Stiftung 'Erinnerung, Verantwortung und Zukunft'/Hertie-Stiftung)

Projektphase II (2009-2011) durch die NRW Stiftung und die Duisburger Universitätsgesellschaft/ Kooperationspartner: InKuR (Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung/UDE)

Projektphase III (2013/2014) durch die Sparkassenstiftung Mittelthüringen/Kooperationspartner: Alte Synagoge Erfurt

Projektphase IV (2018/2019) wurde ehrenamtlich geleistet/Kooperationspartner:  ARXIO-Büro Karlsruhe


Konzeption/Projektleitung/Autorin: 

Katharina Stoye (Kulturwissenschaften/Kulturvermittlung)

 

Bisherige Gastautoren: 

Nathanja Hüttenmeister (Judaistin/Steinheim-Institut)

Dr. Maike Lämmerhirt (Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Mittelalterliche Geschichte/Universität Erfurt; DFG-Projekt "Migration von Juden im Spätmittelalter. Das Beispiel Erfurt"

Prof. W. Schmidt- Biggemannn (Philosophiehistoriker am Institut für Philosophie/Freien Universität Berlin)

Andreas Bauer-Stoye (Lehrer/Mitglied der Union Juive Libérale de Strasbourg) 

Weitere Gastautor: innen der Goethe-Universität-Frankfurt und der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg werden derzeit angefragt für Projektphase V 

 

Feedbacks zu Projektphase I - IV

Feedbacks zur  Lehrerfortbildung 2009 – 2011 sowie nach Projektdurchführung (2014/2018)

"Meine Erwartungen wurden voll erfüllt“

„Eine gelungene Fortbildung, kompetent dargeboten und gut organisiert“

„In Zukunft phantastisches Angebot als Online-Handbuch – gerade auch im Rahmen der Sek II-Facharbeiten oder im Rahmen von Projekttagen“

„Ich habe Anregungen bekommen, wie sich das Thema in eine Unterrichtseinheit einbinden lassen könnte und ich war erstaunt, wie interessant der Besuch eines jüdischen Friedhofs sein kann“

„Überdurchschnittlich: Zugänge zu den Materialien für Schüler und Lehrer“

„Danke nochmals für die informativen und reichhaltigen Online-Materialien“ 

Rückmeldung zur Erweiterung des „Online-Handbuchs“ auf 2 regionale Schwerpunkte (verfasst von Fr. Roos/ Alte Synagoge, Erfurt 2012)

"(...) In einer zweiten Projektphase (2009 - 2011) wurden auf dem Online-Handbuch aufbauend drei Lehrerfortbildungen angeboten, davon führte eine nach Erfurt. In Zusammenarbeit mit der Alten Synagoge entdeckten Lehrer und andere Multiplikatoren der historisch-politischen Bildungsarbeit die historischen Parallelen, aber auch Unterschiede zwischen dem mittelalterlichen jüdischen Leben am Rhein und in Thüringen.

Angeregt durch diese konstruktive Zusammenarbeit soll in einer dritten Projektphase 2013/ 2014 in Kooperation zwischen der Alten Synagoge Erfurt und dem Steinheim-Institut die Vorabversion des Online-Handbuchs regionalgeschichtlich - vergleichend erweitert werden, so dass zu den vorhandenen Schwerpunkten „Rheinische Gemeinden“ und „SCHUM-Gemeinden“ nun auch die „Thüringische Judenschaft im Mittelalter“ hinzukommt. Für die Ausarbeitung der wissenschaftlichen Hintergründe und historischen Quellenlage konnten bereits Vorabgespräche mit der Historikerin Dr. Maike Lämmerhirt geführt werden. Die didaktische Einbindung der Materialien übernimmt die Museumspädagogik der Alten Synagoge, die sinnvolle Einbettung in den Gesamtkontext des Handbuchs die Historikerin und Pädagogin Katharina Stoye vom Salomon Ludwig Steinheim-Institut, die das Projekt seit seinen Anfängen begleitet.

Thüringen profitiert hierbei von den bereits geleisteten Vorarbeiten, z.B. müssen die einführenden Tafeln nicht vollständig neu geschrieben, sondern nur um einen Thüringen-Bezug erweitert werden. Außerdem steht das Layout des Buches sowie seine Online-Präsenz bereits. Das erweiterte Online-Handbuch ermöglicht es den thüringischen Lehrern, den Themenkomplex „Juden im Mittelalter“ fundiert in den Unterricht einzubetten und durch regionale Bezüge anschaulicher zu machen. Das Online-Handbuch umfasst jedoch nicht nur regionalgeschichtliches Quellenmaterial, sondern gibt auch Tipps und Hinweise für den Besuch von außerschulischen Lernorten in Thüringen, stärkt somit die Zusammenarbeit zwischen Schule und Museum.

 

Auswahl an weiteren kultur- und tanzwissenschaftlichen Publikationen/Vorträgen/Online-Publikationen: 

  • Vortrag 2014 „Tanz als Memoria? Facetten der Erinnerungs-Rituale in den Moriskentänzen des Mittelalters“ [Deutsch-niederländisches Kolloquium/Brechten]
  • Vortrag 2012 „Jüdische und christliche Tanzkultur im Mittelalter – eine vergleichende Skizze“ [Mediävisten-Arbeitskreis UDE]
  • „Die >Tanzwut<-Bewegung von 1374. Individueller Tanzwahn, tanzepidemischer >Flashmob< oder performativer Höhepunkt einer emanzipativen Laienfrömmigkeit?“ [GTF-Jahrbuch 2011 Tanz & WahnSinn; Bd. 21]
  • „Ritual, Raum und Labyrinth-Tanz in der spätmittelalterlichen Stadtkultur. Interdisziplinäre Überlegungen zur Tanzikonographie am Beispiel des Sieneser ›buon governo<" [Tagung 2011 TANZ - MACHT - RAUM/Ruhr-Universität Bochum]
  • Vortrag Die "Tanzwut"-Bewegung am Niederrhein [Vortragsreihe 2008/Rahmenprogramm 100-jähriges Museumsbestehen des Grafschafter Museum Schloss Moers]
  • Vortrag & TanzWorkshop: „Ritual und Labyrinth-Tanz in der mittelalterlichen Stadtkultur – ein Beispiel europäischer Tanzpraxis" [Begleitprogramm der Sonderausstellung "Ferne Welten - Frei Stadt" Dortmund 2005]
  • Vortrag 2004: „Die Geschichte von Ritual und Tanz vom Mittelalter bis in die Moderne - eine interdisziplinäre Untersuchung unter ritualperspektivischem Blickwinkel“ [Mediävisten-Arbeitskreis UDE]

Derzeit in Planung:  Fachartikel zu "Tanz & Museum in Theorie und Praxis" auf KUBI-Online.de [www.kubi-online.de]

siehe auch: https://www.tanzkunst.org/vita

 

 

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